Familie für Pflegekinder? Eine gute Idee!

Familie für Pflegekinder? Eine gute Idee!

Pflegekinderdienste sind darauf angewiesen, eine Vielfalt Familie für Pflegekinderan Pflegefamilien bereitzustellen. Je größer der Pool an vorhandenen, gut vorbereiteten Pflegeeltern, desto eher lässt sich ein für das jeweilige Kind und seine Bedarfe zugeschnittenes Pflegearrangement finden, das ihm eine realistische Chance auf eine positive Entwicklung gibt.

Aufgabe der Pflegeeltern ist es, für alle Bedürfnisse der Kinder zu sorgen. Pflegekinder brauchen, was alle Kinder benötigen. Und noch einiges mehr. Weil sich in ihren Herkunftsfamilien Risikofaktoren konzentrieren, bringen die Kinder  lebensgeschichtliche Belastungen mit, die ihnen noch lange zu schaffen machen werden.

Typische Risikofaktoren sind chronische Geldsorgen, Bildungsarmut, intellektuelle oder psychische Beeinträchtigungen, Partnerschaftsprobleme und familiäre Gewalt, Suchterkrankungen und eigene lebensgeschichtliche Beeinträchtigungen der Eltern, die so  unglücklich zusammen kommen, dass sie die Fähigkeiten zur eigenen Lebensbewältigung und insbesondere zur Erziehungsfähigkeit einschränken. Oft haben diese komplexen Mehrfachbelastungen zu Kindeswohlgefährdungen geführt.

Frühe HilfenWenn auch Frühe Hilfen und ambulante Hilfen des Jugendamtes in der Familie nicht ausreichten, um die Erziehungsbedingungen nachhaltig zu verbessern, kann die Unterbringung in einer Pflegefamilie eine Lösung auf Zeit oder auf Dauer sein. Tatsächlich wachsen 9 von 10 Pflegekindern in ihren Pflegefamilien auf.

Pflegefamilien geben Kindern ein Zuhause. Sie trösten, versorgen, halten Kinder, die Zurückweisung und Schmerz erlebt haben. Alle diese Kinder bringen einen Rucksack voll ungewöhnlicher Vorerfahrungen mit, der ihre Pflegefamilie vor maximale Herausforderungen stellen wird.

Pflegefamilien unterstützen das Kind auch dabei, Kontakt zu seinen leiblichen Eltern und Geschwistern zu halten. Diese Kontakte sind oft sehr belastend – wenn sie aber gelingen, helfen sie dem Kind seine Geschichte zu verstehen und ein realistisches Bild seiner Eltern zu entwickeln.

Das ist seelische Schwerstarbeit. Das muss man wollen – aber das muss man auch können. Weil Pflegeeltern pädagogische Laien sind, wird ihre Eignung im Pflegekinderdienst systematisch überprüft. Dazu gehören ein Lebensbericht, erweiterte Führungszeugnisse und  ärztliche Bescheinigungen. Das Vorbereitungsverfahren wird als Einstieg in einen Prozess der Selbstreflexion und Fortbildung gestaltet und vermittelt in Qualifizierungskursen und Seminaren die erforderlichen Grundkenntnisse.

Als Schlüsselelemente erfolgreicher Pflegeelternschaft gelten Feinfühligkeit, nachhaltige Zuwendung, Vorhersehbarkeit, flexible Problemlösefähigkeit, Reflexivität und jede Menge Humor. Gebraucht werden Menschen, die geduldig, herzlich und offen sind und Belastungen standhalten können. Menschen, die sich einem Kind liebevoll zuwenden und ihm alters- und entwicklungsgerechte Grenzen setzen können.

Kinder mit mehrfacher Trennungserfahrung benötigen zukünftig gegenteilige Erfahrungen und zuverlässige Kontinuität, daher ist eine stabile Partnerschaft der Pflegeeltern bedeutsam. Als nicht wichtig hat sich hingegen gezeigt, ob die Pflegeeltern in einem Haus mit Garten oder einer Wohnung leben, ob sie in eheähnlicher Partnerschaft zusammen leben, verheiratet sind oder eine andere Lebensform gewählt haben. Was zählt ist, dass sie für ein bestimmtes Kind und dessen Herkunftsfamilie geeignet sind.

Quelle: Jugendamt Braunschweig – Susann Vollmer