16. Deutscher Jugendhilfetag in Düsseldorf

Am 28.03.2017 begann der 16. DJHT 2017. In einer Feierstunde in der Stadthalle Düsseldorf begrüßte Frau Prof. Dr. Karin Böllert, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, die Gäste. Nachdem Herr Thomas Geisel, Oberbürgermeister der Landeshauptstand Düsseldorf, und Frau Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, ihre Grußworte sprachen, folgte eine Rede von Frau Manuela Schwesig, Bundesminsterin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Auf Europas größtem Kinder- und Jugendhilfegipfel präsentieren sich an ca. 300 Messeständen mehr als 400 gewerbliche und nichtgewerbliche Ausstellerinnen und Aussteller. Sie versteht sich als Forum für Praxis, Verwaltung, Wissenschaft und Politik – https://www.jugendhilfetag.de/aussteller2017/

Nachdem der „Runde Tisch der Adoptiv- und Pflegefamilienverbände“ die notwendigen Vorbereitungen getroffen hatte, wobei u. a. auch auf Erfahrungen des 15. DJHT 2014 in Berlin zurückgegriffen werden konnte, war er auch auf dem 16. DJHT 2017 mit einem eigenen Messestand vertreten. Für Beratungsbespräche standen folgende Mitwirkende zur Verfügung:

  • Pfad-Bundesverband: Dr. Carmen Thiele, Angela Rupp, Monika Görries, Karen Dabels –
  • Agenda-Pflegefamilien: Andra Baumeister, Gerda Wallaart
  • BAG Kiap: Irm Wills, Marja Schoemaker-Ruhls
  • BV behinderter Pflegekinder: Kerstin Held, Waltraut Timmermann

Der Runde Tisch hat ein eigenes Workshop angeboten. Es stand unter dem Motto: Pflegefamilien – eine Chance für Kinder. Wir wollten Anregungen geben und gemeinsam mit interessierten Besuchern und Besucherinnen über bessere Qualitätskriterien für die Pflegekinderhilfe diskutieren. Unsere Referenten gaben nachfolgende kurze Inputs:

  • PFAD-Bundesverband: Übergänge von Pflegekindern
  • BAG Kiap: Vormundschaft für die äußere und innere Sicherheit des Pflegekindes –
  • Agenda-Pflegefamilien: Versicherungsschutz für Pflegefamilien
  • Bundesverband behinderter Pflegekinder: Pflegefamilien für behinderte Kinder

Zu den o. g. Inputs kamen sehr viele Fragen und es wurde heftig diskutiert. Unter anderem nahm Prof. Ludwig Salgo Stellung zum Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen. Leider reichte die Zeit mal wieder nicht, um zu allen Fragen Stellung nehmen zu können.

Für unsere Messestand-Besetzung hatten sich genug Helfer eingetragen, so dass jeweils ein Teil von uns einen Rundgang durch die Hallen machen konnte. Wir nutzten die Gelegenheit, um mit anderen Ausstellern ins Gespräch zu kommen.

Wir informierten uns z. B. über die Arbeit der „Koordinierungsstelle Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“. Sie ist ein zentraler Gestaltungspartner des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Umsetzung der Jugendstrategie 2015-2018. Ihr Ziel ist die Etablierung von Strategien und Strukturen für eine jugendgerechte Politik und Gesellschaft. Sie verbreitet die Grundsätze Eigenständiger Jugendpolitik bundesweit und unterstützt Länder und Kommunen bei der Entwicklung von mehr Jugendgerechtigkeit vor Ort. Wichtige Elemente sind dabei die wirkungsvolle Beteiligung von Jugendlichen und ihren Interessensvertretungen sowie die Verbindung mit der EU-Jugendstrategie. Die Trägerschaft liegt bei der Arbeitsgemeinschaft für Kinderund Jugendhilfe – AGJ (Laufzeit: 1. Dezember 2014 bis 31. Dezember 2018).

Wir sprachen u. a. auch mit dem Dachverband „Nummer gegen Kummer e.V.“ Er verfügt über das größte, telefonische Beratungsangebot für Kinder, Jugendliche und Eltern – anonym und kostenfrei. Junge Menschen finden am Kinder- und Jugendtelefon 116111 und bei der E-Mail-Beratung Rat und Trost. Mütter, Väter oder Großeltern steht mit dem Elterntelefon 0800 – 111 0 550 ebenfalls ein qualifiziertes Beratungsangebot zur Verfügung. Gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen und Tausenden engagierter Bürger/innen hat der Verein über die Jahre ein in Deutschland einzigartiges Beratungsnetz aufgebaut und als Hilfeangebot dauerhaft etabliert.

Auffällig waren auch die Aktivitäten seit der Flüchtlingswelle bzgl. „Junge unbegleitete Flüchtlinge“, z. B. Beratungsangebote, Unterbringungsmöglichkeiten in Einrichtungen oder Pflegefamilien, Begleitung zu Behörden, Suche nach Kita-Plätzen, Schulen oder Ausbildungsplätzen usw.
Sie führten zu erheblichem Mehraufwand an Arbeit und zu neuen Problemstellungen bei den Jugendämtern, Jugendhilfeeinrichtungen , Jobcentern, Kitas usw.. Es musste u. a. mehr Personal eingestellt werden und dennoch waren die Anforderungen ohne „Ehrenamtliche“ nicht zu erfüllen.

Hervorzuheben sind auch die Gespräche von Kerstin Held, Vorsitzende „Bundesverband behinderter Pflegekinder“, mit anderen Verbänden (Ausstellern) zum Thema „behinderte Pflegekinder in Pflegefamilien“.
Nachdem die Bundesfachtagung „Türen öffnen“ an den Rheinterrassen nun 10 Jahre zurückliegen, ist man von einer inklusiven Pflegekinderhilfe weiter entfernt denn je. Tatsächlich dreht sich die Spirale weiter nach unten. Mangelnde Übergangsparagraphen, keine Kontinuitätssicherung, keine Rechtssicherheit, Kinder mit Behinderungen finden ihre Pflegefamilien zufällig und nicht gesetzlich beansprucht, keine Rahmenbedingungen für Pflegefamilien mit Kindern mit Behinderungen und vieles mehr.
Die Gespräche führten u. a. dazu, dass der Bundesverband behinderter Pflegekinder spontan den Beschluss fasste, eine Demo in Berlin zu organisieren. Der „Runde Tisch“ sowie andere Verbände sagten sofort ihre Unterstützung zu.
Die Demo wurde mittlerweite am 20. Juni 2017 durchgeführt. Nachdem, Politiker und Betroffene zu Wort kamen, überreichte Kerstin Held der (neuen) Familienministerin Dr. Katarina Barley die Forderungen nach gesetzlicher Soforthilfe, verpackt in einem orangeroten Erste-Hilfe-Koffer, um zu signalisieren, dass Änderungen wirklich dringend notwendig sind.

Bei unserem Rundgang durch die Messehalle haben wir natürlich auch unseren „Runden Tisch der Adoptiv- und Pflegefamilienverbände“ vorgestellt, d. h. wer wir sind (vier Bundesverbände) und was unsere Arbeitsinhalte sind bzw. in welchen Gremien und Expertenrunden wir vertreten sind. Dabei wurde es als sehr positiv empfunden, dass sich starke Bundesverbände gemeinsam auf Bundesebene für eine bessere Qualität in der Pflegekinderhilfe einsetzen.

Der Landesverband Pfad-Niedersachsen möchte sich auf diesem Wege bei allen Mitgliedsverbänden des „Runden Tisches“ für die gemeinsame und vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken. Wir setzen uns auch in Zukunft für eine bessere Qualität in der Pflegekinderhilfe ein.

Bericht von Gerda Wallaart
Vorstand
Pfad-Niedersachsen e. V. Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien in Niedersachsen